Arten und Funktionen

Rundumleuchten nach ECE R65: Was die Regelung für Traktoren in Deutschland bedeutet

By Agri Lighting team Published 13 min read

Rundumleuchten nach ECE R65: Was die Regelung bedeutet und warum sie wichtig ist
In this guide
  1. Was eine Rundumleuchte nach ECE R65 ist
  2. Was die Regelung festlegt
  3. Rundumleuchten der Klasse 1 und Klasse 2
  4. So lesen Sie ein ECE-R65-Prüfzeichen
  5. ECE R65 und ECE R10: Warum Sie beides brauchen
  6. Rechtlicher Rahmen für Rundumleuchten nach ECE R65 in Deutschland
  7. So kaufen Sie eine Rundumleuchte nach ECE R65
  8. Häufige Fehler beim Kauf von Rundumleuchten nach ECE R65
  9. Checkliste zur ECE-R65-Konformität

Eine Rundumleuchte nach ECE R65 ist eine Warnleuchte, die nach der UN-Regelung Nr. 65 genehmigt ist, dem internationalen Standard für Kennleuchten an Straßenfahrzeugen. Die Regelung legt Blinkfrequenz, Lichtstärke, Farbe, Lichtverteilung und Prüfzeichen fest, die eine rotierende oder blitzende gelbe Rundumleuchte erfüllen muss. In Deutschland ist das wichtig, weil an Fahrzeugen im Straßenverkehr nur bauartgenehmigte lichttechnische Einrichtungen verwendet werden dürfen. Und gerade in der Landwirtschaft gehört die gelbe Rundumleuchte bei langsamen, breiten und langen Gespannen zum Alltag. Die meisten Rundumleuchten für den landwirtschaftlichen Einsatz tragen „ECE R65“ auf dem Gehäuse oder in der Produktbeschreibung. Nur wenige Käufer wissen aber, was dieses Zeichen garantiert, was der Unterschied zwischen Klasse 1 und Klasse 2 in der Praxis bedeutet oder wie man prüft, ob die Genehmigung echt ist. Dieser Ratgeber erklärt die Regelung verständlich, schlüsselt die lichttechnischen Klassen auf, entschlüsselt das Prüfzeichen, fasst die deutschen Regeln für Rundumleuchten zusammen und schließt mit einer Checkliste für den Kauf.

Was eine Rundumleuchte nach ECE R65 ist

Eine Rundumleuchte nach ECE R65 ist eine Kennleuchte, die nach der UNECE-Regelung Nr. 65 zertifiziert ist. Die Regelung der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa definiert die technischen Anforderungen an „Kennleuchten für Kraftfahrzeuge“. Sie ist die Grundlage der Typgenehmigung für gelbe rotierende und blitzende Rundumleuchten an Traktoren, Mähdreschern, Teleskopladern und anderen Maschinen.

Die Regelung umfasst 4 Punkte: die Farbe des abgestrahlten Lichts, die lichttechnische Leistung (wie hell und wie gleichmäßig das Licht rund um das Fahrzeug verteilt ist), die Blinkfrequenz und das Prüfzeichen, das die bestandene Prüfung belegt. Eine Rundumleuchte ohne ECE-R65-Zeichen hat keinen Nachweis, dass sie eine dieser 4 Anforderungen erfüllt. Nach der StVZO müssen lichttechnische Einrichtungen im Straßenverkehr bauartgenehmigt sein, entweder mit E-Prüfzeichen oder mit nationalem Prüfzeichen (Wellenlinie mit K-Nummer). Eine Rundumleuchte ohne Prüfzeichen hat auf öffentlichen Straßen deshalb nichts zu suchen.

ECE R65 steht neben ECE R10, der Regelung zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Die meisten modernen landwirtschaftlichen Rundumleuchten tragen beide Zeichen. R65 betrifft das abgestrahlte Licht, R10 die Funkstörungen, die die Leuchte in die umgebende Elektronik abgibt. Den gesamten rechtlichen Rahmen beschreibt der Ratgeber Vorschriften für Traktorbeleuchtung.

Was die Regelung festlegt

ECE R65 legt 5 messbare Anforderungen fest, die jede genehmigte Rundumleuchte erfüllen muss.

Anforderung Vorgabe
Lichtfarbe Gelb (Amber), Blau oder Rot. Gelb ist der Standard für landwirtschaftliche Fahrzeuge.
Blinkfrequenz 2 bis 5 Hz (120 bis 300 Blitze pro Minute)
Mindestlichtstärke Klasse 1 50 cd horizontal
Mindestlichtstärke Klasse 2 100 cd horizontal
Prüfzeichen E im Kreis, Länderkennzahl, R65-Verweis, Genehmigungsnummer

Lichtfarbe

ECE R65 kennt 3 Farben für Kennleuchten, welche Farbe ein Fahrzeug tatsächlich führen darf, regelt aber das nationale Recht. In Deutschland ist blaues Blinklicht Einsatzfahrzeugen wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst vorbehalten, rotes Blinklicht ist für landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht vorgesehen. Landwirtschaftliche Betriebe und Lohnunternehmer verwenden gelbe Rundumleuchten nach R65. Die Farbgrenzen der Regelung legen anhand der CIE-Normfarbtafel genau fest, wie „Gelb“ gemessen wird. Eine Leuchte, die unter Last ins Zitronengelbe oder Orange abdriftet, fällt durch die Prüfung.

Blinkfrequenz

Die Blinkfrequenz liegt zwischen 2 und 5 Hz, also 120 bis 300 Blitzen pro Minute. Eine rotierende Rundumleuchte erreicht diese Frequenz durch eine feste Drehzahl, die über die Linsensegmente die richtige Zahl an Lichtimpulsen erzeugt. Eine LED-Rundumleuchte schaltet die Chips elektronisch. Außerhalb dieses Bereichs fällt die Leuchte durch die Genehmigung, egal ob sie zu langsam blinkt (wirkt defekt) oder zu schnell (verwirrt das Auge).

Lichttechnische Leistung

Die Regelung prüft die Lichtstärke in mehreren horizontalen und vertikalen Winkeln rund um die Leuchte. In jedem geprüften Winkel muss ein Mindestwert in Candela (cd) erreicht werden. Leuchten der Klasse 1 erreichen mindestens 50 cd in der Horizontalen, Leuchten der Klasse 2 mindestens 100 cd. Für beide Klassen gelten zusätzliche Mindestwerte über und unter der Horizontalen, damit die Warnung sowohl für den Fahrer eines hohen Lkw als auch für den eines tiefen Pkw sichtbar ist.

Prüfzeichen

Jede genehmigte Rundumleuchte trägt ein dauerhaftes Zeichen auf Gehäuse oder Lichtscheibe. Es zeigt, welches Land die Genehmigung erteilt hat, welche Klasse die Leuchte erfüllt und welche Genehmigungsnummer sie hat. Den Aufbau des Zeichens beschreibt der folgende Abschnitt.

Rundumleuchten der Klasse 1 und Klasse 2

ECE R65 teilt Rundumleuchten in 2 lichttechnische Klassen ein. Die Einteilung entscheidet darüber, wo die Leuchte wirksam eingesetzt werden kann.

Klasse Mindestlichtstärke horizontal Typischer Einsatz Sichtbarkeit
Klasse 1 50 cd Nur tagsüber Bei Tageslicht ausreichend, verblasst in praller Sonne
Klasse 2 100 cd Tag und Nacht Unter allen Bedingungen wirksam

Rundumleuchten der Klasse 1

Eine Rundumleuchte der Klasse 1 erreicht die 50 cd Mindestlichtstärke und besteht die Prüfungen für die Sichtbarkeit bei Tag. Leuchten der Klasse 1 sind kleiner, günstiger und nehmen weniger Strom auf. Sie sind bei leichten Nutzfahrzeugen, schwachen LED-Rundumleuchten und einfachen rotierenden Halogenleuchten verbreitet. Klasse 1 eignet sich für eine Maschine, die nur tagsüber auf dem Betriebsgelände arbeitet.

Rundumleuchten der Klasse 2

Eine Rundumleuchte der Klasse 2 erreicht die 100 cd Mindestlichtstärke und besteht die Prüfungen für Tag und Nacht. Weil Traktoren und selbstfahrende Arbeitsmaschinen in der Saison zu jeder Tageszeit auf der Straße unterwegs sind, ist Klasse 2 der sinnvolle Standard für jedes Fahrzeug, das auf öffentliche Straßen fährt. Silagefahrten bis in den Abend, Gülleausbringung im Frühjahr und Ballentransporte im Winter bringen Traktoren bei schlechtem Licht auf die Straße.

Die Regel für landwirtschaftliche Fahrzeuge ist eindeutig: Rüsten Sie jedes Fahrzeug, das auf öffentliche Straßen fährt, mit Rundumleuchten der Klasse 2 aus. Klasse 1 kommt nur in Frage, wenn das Fahrzeug das Betriebsgelände nicht verlässt. Der Preisunterschied ist gering (etwa 10 € bis 35 € pro Leuchte), die Sicherheitsargumente für Klasse 2 im landwirtschaftlichen Betrieb sind stark.

So lesen Sie ein ECE-R65-Prüfzeichen

Ein ECE-R65-Prüfzeichen besteht aus 4 Elementen, die die Zertifizierung der Leuchte entschlüsseln. Das Zeichen ist in das Gehäuse eingeformt oder auf die Lichtscheibe aufgedruckt und sollte nach dem Einbau sichtbar bleiben.

Ein typisches Zeichen lautet: E11 65R 0001234

Element Beispiel Bedeutung
E im Kreis E11 Die Leuchte wurde von einem Vertragsstaat der UNECE genehmigt. Die Zahl kennzeichnet das Land (E11 = Vereinigtes Königreich, E1 = Deutschland, E2 = Frankreich, E24 = Irland).
Nummer der Regelung 65R Zeigt die Genehmigung nach ECE-Regelung Nr. 65
Klassenkennzeichnung T (Klasse 1) oder X (Klasse 2) Manche Zeichen verwenden T für Klasse 1 und X für Klasse 2, andere geben direkt „1“ oder „2“ an
Genehmigungsnummer 0001234 Fortlaufende Nummer zur Rückverfolgbarkeit

Eine Leuchte mit 65R ohne Nummer, mit unvollständigem Zeichen oder mit einem Aufkleber statt eines eingeformten Zeichens ist eine Fälschung oder nicht genehmigt. Bei hochwertigen Rundumleuchten für gewerbliche Fuhrparks stellt der Hersteller das vollständige Genehmigungsdokument auf Anfrage zur Verfügung.

Die Länderkennzahl muss nicht deutsch sein, damit die Leuchte in Deutschland gültig ist. Deutschland erkennt als EU-Mitgliedstaat EU-Genehmigungen (kleines e) und UNECE-Genehmigungen (großes E) aus allen Ländern an. Eine Rundumleuchte, die in Frankreich (E2), Italien (E3), im Vereinigten Königreich (E11) oder einem anderen UNECE-Staat genehmigt wurde, ist genauso gültig. Die deutsche Kennzahl ist 1, und viele Leuchten bekannter Hersteller tragen tatsächlich E1.

ECE R65 und ECE R10: Warum Sie beides brauchen

ECE R10 ist die ergänzende Regelung zur elektromagnetischen Verträglichkeit. R10 begrenzt die Funkstörungen, die eine Rundumleuchte in die umgebende Elektronik abgibt. Moderne Traktoren arbeiten mit empfindlichen CAN-Bus-Netzwerken, GPS-Lenksystemen, ISOBUS-Anbaugeräten und Steuerungen für Precision Farming, die alle anfällig für elektrische Störungen durch eine nicht konforme Rundumleuchte sind.

Eine Rundumleuchte mit dem Zeichen R65 hat eine korrekte Lichtabgabe. Eine Leuchte mit dem Zeichen R10 ist EMV-konform. Eine Leuchte mit R65 R10 erfüllt beides. Moderne landwirtschaftliche Rundumleuchten tragen meist beide Zeichen, weil der Hersteller sie gemeinsam prüfen lässt. Billige Importleuchten haben manchmal nur R65, das heißt, die Lichtabgabe ist genehmigt, die EMV wurde aber nie geprüft.

Das Risiko an einem Traktor mit CAN-Bus ist real. Eine Rundumleuchte mit starken Störaussendungen kann GPS-Abweichungen, ISOBUS-Aussetzer, Warnleuchten am Armaturenbrett oder zeitweisen Ausfall des Lenksystems verursachen. Die Leuchte selbst funktioniert, aber der Rest des Traktors arbeitet nicht mehr richtig, solange sie eingeschaltet ist. Bei langen Straßenfahrten mit eingeschalteter Rundumleuchte, etwa mit einem breiten Anbaugerät, fällt das besonders ins Gewicht. Geben Sie deshalb beim Kauf jeder Rundumleuchte für einen Traktor ab Baujahr 2010 die Zeichen R65 und R10 gemeinsam vor. Mehr zu EMV und Beleuchtung an modernen Traktoren lesen Sie im Beitrag LED-Leuchten und GPS-Störungen, sobald er online ist.

Rechtlicher Rahmen für Rundumleuchten nach ECE R65 in Deutschland

ECE R65 definiert, was eine zulässige Rundumleuchte ist. Das deutsche Recht regelt, welche Fahrzeuge sie führen dürfen und wann sie eingeschaltet werden darf oder muss. Welche Fahrzeuge Kennleuchten für gelbes Blinklicht führen dürfen, regelt § 52 Abs. 4 StVZO. Wann gelbes Blinklicht von Fahrzeugen aus verwendet werden darf, regelt § 38 StVO: im Wesentlichen, um vor Arbeits- oder Unfallstellen, vor ungewöhnlich langsam fahrenden Fahrzeugen oder vor Fahrzeugen mit ungewöhnlicher Breite oder Länge bzw. ungewöhnlich breiter oder langer Ladung zu warnen. Ergänzende Hinweise für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge und Anbaugeräte enthält das Merkblatt für land- oder forstwirtschaftliche Fahrzeuge und Anbaugeräte.

Situation Rundumleuchte erforderlich? Klasse
Traktor oder selbstfahrende landwirtschaftliche Arbeitsmaschine im normalen Straßenverkehr ohne Überbreite Keine allgemeine Pflicht. Einschalten nur, wenn eine Warnung nach § 38 StVO geboten ist, etwa bei ungewöhnlich langsamer Fahrt Klasse 2 empfohlen
Fahrzeug oder Kombination mit Überbreite oder Überlänge (z. B. breites Anbaugerät, Mähdrescher, Feldhäcksler) In der Regel ja. Gelbes Rundumlicht wird häufig in der Ausnahmegenehmigung bzw. Erlaubnis vorgeschrieben, dazu können Warntafeln und weitere Auflagen kommen Klasse 2 empfohlen
Arbeiten im oder am Straßenraum (z. B. Mähen von Banketten, Heckenschnitt) Ja, zur Absicherung der Arbeitsstelle Klasse 2 empfohlen
Feld- oder Hofarbeit auf Privatgelände Keine Vorgabe aus dem Straßenverkehrsrecht Beide

Eine allgemeine Pflicht, an jedem Traktor auf öffentlichen Straßen ständig eine eingeschaltete Rundumleuchte zu führen, gibt es in Deutschland nicht. Hier ist die Rundumleuchte ein Warnsignal für besondere Situationen und darf nicht einfach dauerhaft mitlaufen. Mehr dazu in unserem Ratgeber vorgeschriebene Traktorbeleuchtung für den Straßenverkehr.

Anbau und Leistung

Für die Anbringung gilt in der Praxis:

  • möglichst auf dem Dach und möglichst mittig, damit das Licht rundum sichtbar ist;
  • so hoch, dass Kabinendach, Frontlader oder Anbaugeräte das Licht nicht verdecken; bei breiten oder langen Kombinationen sind dafür oft 2 Leuchten nötig;
  • genaue Vorgaben zu Anbauhöhe und Sichtwinkeln ergeben sich aus den Anbauvorschriften für das jeweilige Fahrzeug und gegebenenfalls aus der Ausnahmegenehmigung.

Eine pauschale Wattobergrenze für gelbe Rundumleuchten nennen wir hier bewusst nicht. Entscheidend ist die Bauartgenehmigung nach ECE R65. Eine typische LED-Rundumleuchte nimmt bei 12 V 0,5 bis 1,5 A auf. Ältere rotierende Halogenleuchten nehmen 4 bis 8 A auf, was das Bordnetz deutlich stärker belastet. Lange gelbe Lichtbalken müssen ebenfalls als Kennleuchte genehmigt sein, wenn sie im Straßenverkehr verwendet werden.

Wer sonst gelbes Blinklicht führen darf

Gelbes Rundumlicht ist auch in Deutschland nicht für jedes Fahrzeug frei verfügbar. Neben bestimmten land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen sind es nach § 52 Abs. 4 StVZO vor allem Fahrzeuge für Bau, Unterhaltung und Reinigung von Straßen, Pannenhilfs- und Abschleppfahrzeuge, Müllfahrzeuge, Begleitfahrzeuge für Großraum- und Schwertransporte sowie Fahrzeuge, für die die zuständige Behörde Kennleuchten vorgeschrieben hat. Ein Hof-Pkw oder Pick-up darf also nicht einfach deshalb eine gelbe Rundumleuchte führen und einschalten, weil der Traktor eine hat.

Kontrolle und Bußgelder

Die Einhaltung der Regeln kontrolliert die Polizei, technische Mängel fallen zudem bei der Hauptuntersuchung auf. Wer gelbes Blinklicht unberechtigt einschaltet, eine vorgeschriebene Rundumleuchte nicht verwendet oder nicht genehmigte Leuchten verbaut, muss mit einem Bußgeld rechnen. Die aktuelle Höhe ergibt sich aus dem Bußgeldkatalog. Verlassen Sie sich nicht auf Angaben aus anderen Ländern, sie gelten hier nicht.

So kaufen Sie eine Rundumleuchte nach ECE R65

Die Kaufentscheidung für eine Rundumleuchte nach ECE R65 für einen Traktor in Deutschland lässt sich auf 7 Prüfpunkte reduzieren. Jeder davon ist in der Produktbeschreibung oder an der Leuchte selbst erkennbar.

1. Prüfzeichen kontrollieren

Achten Sie auf „E[Zahl] 65R“ auf Gehäuse oder Lichtscheibe. Ein Foto des Zeichens auf der Produktseite ist die schnellste Kontrolle. Kein Zeichen, kein Kauf. Eine Leuchte, die als „im R65-Stil“ oder „R65-kompatibel“ beschrieben wird, aber kein echtes Zeichen trägt, ist keine genehmigte Rundumleuchte.

2. Klasse kontrollieren

Klasse 2 ist der Standard für landwirtschaftliche Fahrzeuge auf der Straße. Viele Produktseiten nennen die Klasse inzwischen ausdrücklich („Klasse 2“, „X“ oder „100 cd“). Ist die Klasse nicht angegeben, fragen Sie vor dem Kauf beim Verkäufer nach. Bei einer Leuchte unbekannter Klasse dürfen Sie nicht von Klasse 2 ausgehen.

3. EMV-Zeichen kontrollieren

Wählen Sie für jeden Traktor ab Baujahr 2010 eine Rundumleuchte, die zusätzlich das Zeichen ECE R10 trägt. Die Produktbeschreibung sollte R65 und R10 entweder als getrennte Zeichen oder als kombinierte Genehmigung zeigen. Eine Leuchte nur mit R65 ist an moderner Elektronik ein größeres EMV-Risiko.

4. Stromaufnahme prüfen

Prüfen Sie die Leistungsaufnahme und rechnen Sie nach, ob Bordnetz, Sicherung und Verkabelung dafür ausgelegt sind. LED-Rundumleuchten sind hier unkritisch. Bei Halogenleuchten mit 4 bis 8 A sollten Sie Leitungsquerschnitt und Sicherung genau prüfen.

5. Spannung abgleichen

Rundumleuchten nach ECE R65 gibt es in 12-V-, 24-V- und Mehrspannungsversionen (12 bis 24 V). Passen Sie die Spannung an das Bordnetz des Traktors an. Eine 12-V-Leuchte an einem 24-V-Bordnetz brennt innerhalb von Minuten durch. Eine 24-V-Leuchte an einem 12-V-Bordnetz leuchtet nur mit halber Helligkeit oder blinkt nicht in der richtigen Frequenz.

6. Befestigungsart wählen

Rundumleuchten nach ECE R65 werden auf 4 übliche Arten befestigt: DIN-Aufsteckfuß, flexibler DIN-Fuß, Magnetfuß und feste 3-Punkt-Verschraubung. Die Wahl hängt von den vorhandenen Befestigungspunkten am Traktor ab und davon, ob die Leuchte abnehmbar sein muss (zum Beispiel für eine Halle mit niedriger Einfahrt). Magnetfuß und flexibler DIN-Fuß tauschen etwas Stabilität gegen Bequemlichkeit. Egal welche Befestigung: Die Rundumleuchte sollte möglichst mittig auf dem Dach sitzen und rundum frei sichtbar sein.

7. LED oder Halogen wählen

LED-Rundumleuchten nach R65 haben Halogen in der Landwirtschaft als Standard abgelöst. LED-Leuchten nehmen 0,5 bis 1,5 A auf statt 4 bis 8 A bei Halogen, halten 30.000 bis 50.000 Stunden statt 500 bis 1.000 Stunden und überstehen Vibrationen ohne Glühfadenbruch. Lange Lebensdauer und geringe Stromaufnahme sprechen klar für LED. Den vollständigen Vergleich finden Sie im Beitrag LED- oder Halogen-Rundumleuchte, sobald er erscheint, sowie im bestehenden Ratgeber Rundumleuchten für Traktoren.

Häufige Fehler beim Kauf von Rundumleuchten nach ECE R65

Vier Fehler tauchen beim Kauf von Rundumleuchten für die Landwirtschaft immer wieder auf. Jeder lässt sich vermeiden.

Fehler 1: Nur nach dem Preis kaufen

Eine billige Importleuchte (oft unter 20 €) hat manchmal nur einen aufgedruckten Aufkleber statt eines eingeformten Prüfzeichens, keine nachvollziehbare Genehmigungsnummer und keine EMV-Prüfung nach R10. Die Leuchte blinkt vielleicht in der richtigen Frequenz und sieht farblich richtig aus, es gibt aber keinen Nachweis der Konformität, und oft fällt sie durch Vibrationen nach 2 bis 3 Jahren aus. Wenn die Rundumleuchte für eine Fahrt mit Überbreite vorgeschrieben ist, darf das Gespann mit defekter Leuchte nicht auf die Straße.

Fehler 2: „Klasse 1 reicht schon“

Eine Rundumleuchte der Klasse 1 erreicht die 50 cd Mindestlichtstärke und verblasst bei praller Sonne, Nebel oder Regen. Klasse 2 (100 cd) ist die sichere Wahl für jedes landwirtschaftliche Fahrzeug, das auf der Straße fährt. Die kleine Ersparnis bei Klasse 1 ist dahin, sobald ein nachfolgender Fahrer die Leuchte zum ersten Mal übersieht.

Fehler 3: EMV nach R10 ignorieren

Ein moderner Traktor mit GPS-Lenksystem, ISOBUS oder anderen Precision-Farming-Funktionen braucht für jedes elektrische Zubehör EMV-Konformität. Eine Rundumleuchte ohne R10 kann während des Betriebs Abweichungen des Lenksystems, Verlust des GPS-Signals und ISOBUS-Kommunikationsfehler verursachen. Das Risiko wächst bei Traktoren ab Baujahr 2015, weil der Elektronikanteil stark zugenommen hat.

Fehler 4: Anbau und Sichtbarkeit vernachlässigen

Eine Rundumleuchte auf dem Kotflügel oder hinter dem Frontladerrahmen erfüllt ihren Zweck nicht, weil sie nicht rundum sichtbar ist. Sitzt sie nicht möglichst mittig und hoch auf dem Dach oder wird sie von Anbaugeräten verdeckt, kann das bei einer Kontrolle oder bei der Hauptuntersuchung beanstandet werden.

Checkliste zur ECE-R65-Konformität

Nutzen Sie diese Checkliste, wenn Sie eine gelbe Rundumleuchte für ein landwirtschaftliches Fahrzeug in Deutschland auswählen oder anbauen.

  • Rundumleuchte trägt ein eingeformtes Zeichen „E[Zahl] 65R“
  • Zeichen enthält eine fortlaufende Genehmigungsnummer, nicht nur „im R65-Stil“
  • Klasse 2 bestätigt (oder Klasse 1 bewusst nur für den Einsatz auf dem Betriebsgelände gewählt)
  • Zeichen ECE R10 bei Traktoren ab Baujahr 2010 zusätzlich vorhanden
  • Stromaufnahme zu Bordnetz, Sicherung und Verkabelung passend
  • Spannung passt zum Bordnetz des Traktors (12 V oder 24 V)
  • Möglichst mittig auf dem Dach angebracht und nicht durch Anbaugeräte verdeckt
  • LED bei Neuausstattung bevorzugt (geringere Stromaufnahme, längere Lebensdauer)
  • Blinkfrequenz von 120 bis 300 Blitzen pro Minute nach dem Einbau geprüft
  • Rundumleuchte in 360 Grad sichtbar, ohne Verdeckung durch Kabinendach oder Heckaufbauten
  • Rundumleuchte nur eingeschaltet, wenn eine Warnung geboten oder per Genehmigung vorgeschrieben ist
  • Ersatzleuchte zur Silage- und Erntezeit vorrätig

Entdecken Sie das komplette Sortiment an Rundumleuchten und Dachbeleuchtung bei Agri Lighting, darunter LED-Rundumleuchten nach ECE R65 Klasse 2, Magnet- und DIN-Aufsteckfüße, flexible DIN-Lösungen sowie Leuchten mit kombinierter R65/R10-Genehmigung für moderne Traktoren mit CAN-Bus. Der Versand erfolgt aus Lincolnshire in Großbritannien, ab 150 € Bestellwert kostenlos nach Deutschland. Einfuhrumsatzsteuer und eventuelle Zölle werden bei der Zustellung fällig. Für Einbauberatung erreichen Sie uns unter +44 1522 440522 oder per E-Mail an [email protected]. Weiterführend empfehlen wir den Grundlagenratgeber Rundumleuchten für Traktoren, den Einstiegsbeitrag Was gelbes Rundumlicht bedeutet und den Überblick zu den Vorschriften für Traktorbeleuchtung.

AL

Written by the Agri Lighting team

Agri Lighting is an independent UK tractor lighting specialist based in Lincolnshire, from a parts business that has supplied farms, contractors and dealers since 1996. Our guides are written from the questions our counter and phone staff answer every week. Something not covered? Call +44 1522 440522 or email [email protected].